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Eisenkunstguss auf der Ostalb

Aufgrund der reichen Bohnerzvorkommen, Wälder und Wasserkräfte entwickelten sich im Gebiet von Kocher und Brenz im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Berg- und Hüttenwerke, die im 19. Jahrhundert den Nukleus für die Industrialisierung der Region und ganz Württembergs bilden sollten.

In der 1671 begründeten Eisengießerei Wasseralfingen wurde der seit dem 15. Jahrhundert im Kloster Königsbronn gepflegte Guss von kunstvoll verzierten Ofenplatten aufgenommen und erfolgreich weitergeführt. Parallel zur Weiterentwicklung der Hochofen- und Hüttentechnologie wurden in den Werken die hierfür erforderlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten verfeinert.

Eine Blütezeit – auch im Hinblick auf die überregionale Geltung – erlebte der ostwürttembergische Eisenkunstguss durch die Arbeiten des klassizistischen Bildhauers Georg Konrad Weitbrecht (1796-1836) und seines Schülers Christian Friedrich Plock (1809-1882), die damals entstanden Gussmodelle gehören bis heute – neben den Werken berühmter Eisenkunstgießereien in Berlin, Gleiwitz, Lauchhammer und der Sayener Hütte – zum Formenschatz des deutschen Eisenkunstguss. Daneben erwarb sich die damalige königlich-württembergische Hauptgießerei in Wasseralfingen einen besonderen Ruf für die Produktion kunstvoll gestalteter Öfen, geradezu legendär ist bis heute der Wasseralfinger Regulierofen.

Mit der Gründung der Schwäbischen Hüttenwerke GmbH verlagerte sich der Geschäftsbetrieb von der Eisenverhüttung in die zukunftsträchtigere Eisenverarbeitung. Neben rationellem Groß- und Maschinenguss wurden u. a. Werkzeugmaschinen, Weichen, Radsätze hergestellt. Der Kunstguss blieb als Nischenprodukt in Wasseralfingen erhalten, die Entwürfe aus der Region von Paulus, Weitbrecht und Plock wurden bis 2003 abgegossen und vertrieben.

Die Geschäftsführung der SHW fühlte sich der Tradition des heimischen Eisenkunstgusses dennoch verpflichtet und wurde darin von einflussreichen Kommerzienrat Paul Reusch (1868-1956), dem Vorstandsvorsitzenden der Gutehoffnungshütte Oberhausen und Mitbegründer der SHW, unterstützt. Er sollte später selbst ein guter Kunde der kleinen Kunstgießerei im Werk werden, ließ er in Wasseralfingen doch gegossene „Geburtstagsplatten“ für hochgestellte Persönlichkeiten fertigen.

Aus eigenen Beständen und durch gezielte Zukäufe, darunter eine große Frankfurter Privatsammlung in den 1930er Jahren, entstand in der Folgezeit eine in Fachkreisen geschätzte, umfassende Kollektion verschiedenster Stücke, die 1939 Bestandteil eines am Standort Wasseralfingen eingerichteten Werksmuseums wurde und später durch Aufnahme in das Denkmalbuch unter besonderem Schutz steht.

Im historischen Magazingebäude auf dem Gelände der früheren Gießerei befindet sich damit heute eine der umfangreichsten Sammlungen gusseiserner Ofenplatten und Eisenkunstguss in Deutschland. Sie veranschaulicht neben der technischen Weiterentwicklung der Gusstechnik insbesondere die künstlerische Entwicklung bei der Verzierung.

Weiterführende Informationen: Blumer, R.-D., Ribeiro, R., Schwarzer, A.: Eisenkunstguss auf der Ostalb - Die kunsthistorische Entwicklung der Ofenplatten der Schwäbischen Hüttenwerke. In: Denkmalpflege in Baden Württemberg, Bd. 50, Nr. 4, S. 290-295, 2021, https://doi.org/10.11588/nbdpfbw.2021.4 (29.12.2021).

Direkter Link auf den Artikel mit PDF: https://doi.org/10.11588/nbdpfbw.2021.4.84703, [PDF], (02.01.2022).

Sammlung SHW Aalen Oberkochen
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Letzte Aktualisierung: 04.09.2022

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